29
Sep
2009

seine stimme

ich hab vorhin mit ihm telefoniert. es ging darum wegen den schlüsseln vom auto zu klären und dass er seine sachen endlich wiedernimmt.
hab ihm gesagt, dass ich endlich damit abschließen will und dass er mir genug weh getan hat.

er hatte vorgeschlagen das auto nochmal zu nehmen und den rest zu erledigen, aber ich habe abgelehnt.

das schlimme ist, es tat so gut seine stimme zu hören.... es ist so vertraut... und ich wollte sie doch für immer hören...

ich hab ihn angeschrien und ihn immer wieder angeschuldigt, nur damit das telefonat länger geht... und ich seine stimme zum letzten mal in meinem leben nochmal hören kann.... es ist so idiotisch. aber ich hab ihn ja sowieso verloren, also was macht es noch aus, ob ich ihn anschreie. es ist nahezu egal.... gleichgültig....

ich diskutiere mit ihm, nur damit er länger reden muss und das gespräch nicht beendet.
es ist so dumm, aber ich wollte seine stimme hören....
dieses warme weiche .... in seiner stimme.... das war mal mein mann... meine bessere hälfte....
nun hab ich nicht mal mehr meine eigene hälfte.... ich hab garnichts mehr...

er will morgen seine sachen holen und danach wars das dann.... eigentlich wollte er am wochenende kommen, aber ich hab gesagt, dass ich es hinter mich bringen will und dass ich am we nicht da bin. deswegen meinte er, er kommt morgen. natürlich hat er sich wieder ein hintertürchen offen gelassen.... er kommt nur, wenn er es schafft und er ruft vorher an.

und dann....
ich werd ihn nie wieder sehen und thats all.....

ich könnt mich selber ohrfeigen, dass ich mich immer noch geborgen fühle, nur weil ich seine stimme am telefon höre.... es ist zum verrückt werden...

ich will ihn doch endlich hassen....

und wieder purzeln die tränen ... und es hört einfach nicht auf...

ich wünschte ich würde noch einmal in seinem arm liegen, und die zeit würde für immer still stehen. einfach nur seine wärme spüren... so wie früher.... mich geborgen und geschützt fühlen...

aber das werde ich nie wieder haben..... nie wieder.... niemals wieder.... ich bin allein.....

Kreuzfahrt ohne Wiederkehr

endlich hab ich die perfekte möglichkeit gefunden... unglaublich.... frag mich wie ich auf den gedanken kam, aber die version ist mal echt gelungen.... und keiner würde was merken oder verdacht schöpfen...

Quelle: www.abendblatt.de

Über Bord: Jahr für Jahr verschwinden zahlreiche Menschen von Luxuslinern - auffallend viele zwischen 0.30 und 1.30 Uhr
Die "verhexte Stunde" - Kreuzfahrt ohne Wiederkehr
Von Jan-Eric Lindner 27. Januar 2007

Unfall, Suizid? Die meisten Fälle werden nie geklärt. Ein US-Politiker hält eine Schiffsreise sogar für den "perfekten Weg, ein perfektes Verbrechen zu verüben".

Hamburg. Zwischen der Unbekümmertheit an Bord und dem Todeskampf liegen oft nur die Sekunden des freien Falls. Danach ist nur noch Dunkelheit, vielleicht, wenn der oder die Gefallene noch bei Bewusstsein ist, das festlich beleuchtete Schiff, das quälend langsam aber unerreichbar Richtung Horizont verschwindet. Während rundherum nur kaltes Wasser ist und sonst nichts. Nichts, an dem man sich festhalten könnte. Eine alptraumhafte Vorstellung: Auf dem offenen Meer über Bord zu gehen, wissend, dass die Freunde, mit denen man gerade noch fröhlich zusammensaß, nichts davon ahnen können. Dass sie vielleicht erst in Stunden stutzig werden - dann, wenn alles zu spät ist.

Es passiert, dass Menschen von Kreuzfahrtschiffen verschwinden - und nicht einmal selten. Es passierte der Hamburgerin Sabine L. (62) am Tag des Jahreswechsels 2006/2007 (wir berichteten) und seit Januar 2003 mindestens 36 anderen Menschen. Sie sind einfach weg. Spurlos. Unfall, Freitod oder sogar Mord?

Die meisten Fälle bleiben für immer ungelöst, auch, weil so gut wie nie ein Leichnam gefunden wird. Während die Kreuzfahrtindustrie sich müht, das Phänomen herunterzuspielen, kursieren auf Internet-Foren, die sich mit dem Verschwinden von Passagieren auf hoher See beschäftigen, vage und gewagte Theorien. Gibt es Leute, so wird diskutiert, die Befriedigung darin finden, wildfremde Menschen in einem unbeobachteten Moment über Bord zu stürzen, also Herr über Leben und Tod zu spielen?

[...]

Warum es so schwer ist, gerade Kreuzfahrtpassagiere im Meer wiederzufinden, erklärt Antke Reemts von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS): "Anders als Frachtschiff-Besatzungen oder Fischer haben sie für gewöhnlich weder Rettungswesten noch Kälteschutzkleidung an." Dann blieben meist nur Stunden, auch wenn es in der Vergangenheit immer wieder Fälle gegeben habe, in denen Schiffbrüchige nach erstaunlich langer Zeit lebend aus dem Wasser gerettet wurden. Reemts: "Doch auf hoher See kann man selbst dann ertrinken, wenn man den Kopf über Wasser hält. Schuld daran ist das Gischtwasser, das unbemerkt eingeatmet wird."
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